PMD Lexikon Artikel als PDF
Hypotonie bei Kindern mit PMD-Syndrom

Eines der charakteristischen Merkmale des PMD-Syndroms ist die Muskelhypotonie (niedriger/schwacher Muskeltonus). Das Gegenteil von Muskelhypotonie ist die Muskelhypertonie, also eine unüblich hohe Muskelspannung (Spastik). Die Muskelhypotonie zeigt sich bei Säuglingen durch deren Bewegungsarmut und abnorme Bewegungsanstrengungen, sowie eine Überstreckungshaltung der Arme und Beine.

Symptome im Säuglingsalter können unter anderem sein:
Das Baby erwidert den Blickkontakt auf Zuwendung nicht
Es wendet den Kopf nicht interessanten Dingen zu
Es greift nicht nach Gegenständen
Die Hände wirken eher schlaff herunter
Das Baby wirkt beim Stillen sehr angestrengt
Es kann den Kopf nicht dem Alter entsprechend anheben
Es strampelt wenig und stemmt die Ferse nicht gegen einen Widerstand
Das hypotone Baby spielt ungern oder nie in Bauchlage und hat große Mühe,
   auf dem Bauch liegend den Kopf zu heben
Die Hand-Fuß-Mund-Koordination ist eingeschränkt

Hypotonie im Kleinkindalter
Das Kind wirkt unsicher beim Klettern, vermeidet zu balancieren
Die Kraft zum Hüpfen aus dem Stand ist eingeschränkt
Bewegungen wirken nicht geschmeidig
Die Sprache klingt „verwaschen“
Feinmotorische Schwierigkeiten
Das Kind wirkt unselbstständig bei vielen alltagsüblichen Verrichtungen
Fehlendes oder erschwertes Saugen an Strohhalmen/Trinkproblematik

Nicht immer ist eine Hypotonie so ausgeprägt, dass sie sofort von den Ärzten erkannt wird. Gerade wenn sich Entwicklungen, wie das selbständige Umdrehen oder Gehenlernen spät, aber noch im „üblichen Rahmen“ befinden. Fällt aber z.B. auch das Trinken schwer oder bleibt das Kind motorisch sehr „unsicher“ oder „passiv“, kann man von einer Hypotonie ausgehen und sollte den Arzt darauf aufmerksam machen.

Therapieempfehlungen
Eine frühe Diagnose wirkt sich positiv auf den weiteren Verlauf der Muskelhypotonie aus. Die Hypotonie selbst ist nicht komplett heilbar, dennoch können mit unterschiedlichen Therapien Verbesserungen erreicht werden und der Hypotonie entsprechend positiv entgegen gewirkt werden. Neben Therapien sind regelmäßige Kontrollen durch den Orthopäden wichtig. Denn besonders in der Pubertät besteht bei stark ausgeprägter Hypotonie die Gefahr einer Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose).

Ergotherapie, Physiotherapie und zusätzliche Übungen Zuhause können den Kindern helfen, die Muskulatur zu stärken. Physiotherapeuten erarbeiten mit den Kindern eine verbesserte Haltungskontrolle, um bewusste, feinmotorische Bewegungen zu erreichen. Die Dauer und die Therapie selbst richten sich individuell nach dem betroffenen Kind und der Stärke der Symptome. Zusätzlich zur Physiotherapie kann auch ein Besuch in einer osteopathischen Praxis angedacht werden.

Logopädie
Da sich die Hypotonie auch stark auf die Fähigkeit zu schlucken, aus einer Flasche oder später einem Glas zu trinken und auf die Sprachentwicklung auswirken kann, sollten früh erfahrene Logopäden hinzugezogen werden. Der Logopäde kann mehr, als Kindern eine schöne Aussprache beizubringen. Erfahrene Sprachtherapeuten können selbst Kinder fördern, die noch nicht schlucken können.

Viele Übungen können Eltern in den Alltag einbauen. Im Kleinkindalter sind vor allem Bewegungsspiele zu empfehlen. Das Trampolin bietet z.B. durch seinen federnden Untergrund eine tonusregulierende Therapiemöglichkeit, die den Kindern sehr viel Freude bereitet.

Für Kinder, die eine Hypotonie im Rumpf aufweisen, wäre ein Rollbrett eine hervorragende Spiel- und Spaßmöglichkeit, die besonders die oberen Muskelgruppen unterstützt und stärkt. Außerdem Hüpfbälle, Schaukeln , Hängematte, etc.

Tiergestützte Therapien
Diese werden gerne für Hypotonie-Kinder angeboten, z.B. Reittherapie. Therapeutisches Reiten oder Hippotherapie wirkt sich positiv auf die Körperhaltung aus und beeinflusst somit den Muskeltonus günstig. Außerdem ist es für die Kinder eine intensive Erfahrung mit vielen, verschiedenen Eindrücken.

Hilfsmittel
Die Möglichkeit einer Hilfsmittelversorgung ist weit gefächert, und richtet sich individuell nach ihrem Kind. Lassen Sie sich vom Kinderarzt oder dem betreuenden Sonderpädagogischen Zentrum/Zentrum für Entwicklungsdiagnostik beraten und halten Sie Rücksprache mit Ihrer Krankenkasse.

Hier zeigen wir nur einen Bruchteil dessen, was der Markt zu bieten hat:
Lagerungskissen, um Fehlstellungen zu vermeiden
Therapiestuhl, angepasst auf die Bedürfnisse des Kindes
Rehabuggy, angepasst auf die Bedürfnisse des Kindes
Reha-Autositz
Stehständer
Lauflerngeräte
Therapiedreirad
Rollstuhl
Schuheinlagen

Eltern berichten oft von stagnierenden Therapieerfolgen, dennoch entwickeln sich die Kinder sehr positiv weiter. Meist benötigen die Kinder zwischendurch Zeit, das neu Erlernte zu verarbeiten, um dann wieder bereit für Neues zu sein.

Links zu Hilfsmitteln
Die hier aufgeführten Links sind nur Beispiele, wie eine Versorgung durch Hilfsmittel aussehen könnte. Die Anpassung sollte durch ein Sanitätshaus erfolgen, abgestimmt auf das Kind.

Lagerungskissen: https://www.enste-reha.de/      

Lagerungskeil: https://www.poernbacherkonzept.de/therapieelemente/keillagerung/

Therapierollbrett: https://www.poernbacherkonzept.de/therapieelemente/rollbrett/

Rollbrett: https://www.jako-o.com/de_DE/kinder-rollbrett-jako-o–055226

Unterschiedliche Rehabuggys: https://www.rehadat-hilfsmittel.de/de/produkte/mobilitaet-orientierung/kinderwagen-buggys/

Therapiedreiräder und Fahrräder: https://www.schuchmann.de/produkte/gehen-fahren/

Therapiefahrräder: https://www.haverich-reha.de/pages/produkte.php3?nav=4&lng=de

Autositze: Google Suche

Stehständer: https://sorgrollstuhltechnik.de/das-boogie-konzept/

Therapiestuhl: https://www.schuchmann.de/produkte/sitzen-positionieren/

Rollator: https://www.schuchmann.de/produkt/malte/

 

Quellen: Wikipedia, Muskelhypotonie.de, Wimmelköpfchen.de

Autor: © Phelan-McDermid-Gesellschaft e.V., 2020